Energiearmut hat viele Gesichter. Wärmewende muss für alle möglich sein
Wanderausstellung an der Hochschule Burgenland macht Energiearmut sichtbar – Projekt „Wärmewende Eisenstadt & Umgebung“ rückt soziale Seite der Energiewende in den Mittelpunkt
Eisenstadt, 30. September 2026. Wer seine Wohnung im Winter nicht ausreichend warm bekommt, aus Sorge vor der nächsten Energierechnung weniger heizt oder bei anderen notwendigen Ausgaben sparen muss, um Strom und Wärme bezahlen zu können, ist möglicherweise von Energiearmut betroffen. Doch das Problem bleibt häufig im Verborgenen.
Darauf macht die Wanderausstellung „Energiearmut hat viele Gesichter“ aufmerksam, die am 30. September an der Hochschule Burgenland eröffnet wurde. Das Projekt „Wärmewende Eisenstadt & Umgebung“ der Forschung Burgenland nimmt die Ausstellung zum Anlass, die soziale Dimension der Wärmewende in den Mittelpunkt zu rücken. Denn geringe Einkommen, hohe Energiekosten, schlechte Bausubstanz und veraltete Heizsysteme können sich gegenseitig verstärken.
Wärmewende ist auch eine soziale Frage
Gerade Haushalte mit wenig finanziellem Spielraum würden von einem geringeren Energieverbrauch und niedrigeren laufenden Kosten besonders profitieren. Gleichzeitig fehlen häufig die Mittel für einen Heizungstausch oder eine thermische Sanierung.
Im Umsetzungskonzept von „Wärmewende Eisenstadt & Umgebung“ ist die Bekämpfung von Energiearmut als eigene Maßnahme verankert.
DIin Marion Schönfeldinger, Projektleiterin „Wärmewende Eisenstadt & Umgebung“, Forschung Burgenland:
„Die Wärmewende darf keine Frage des Geldbörsels sein. Unser Ziel ist, Lösungen zu entwickeln, die auch jene Haushalte erreichen, für die der Umstieg auf erneuerbare Wärme eine besondere finanzielle Herausforderung darstellt.“
Der Handlungsbedarf ist groß: 2023 wurden in der Modellregion knapp 45 Prozent der Heizsysteme mit fossilen Brennstoffen betrieben, darunter 6.146 Gas- und 1.379 Ölheizungen. In Eisenstadt lag der Anteil bei rund 58 Prozent.
Energiearmut hat unterschiedliche Ursachen
Energiearmut lässt sich nicht allein am Einkommen festmachen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Einkommen, Energiekosten, Wohnqualität und Energieeffizienz.
Mag.a Caroline Nwafor, Leiterin der Koordinierungsstelle zur Bekämpfung von Energiearmut (kea):
„Energiearmut ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Umso wichtiger ist es, die unterschiedlichen Ursachen zu verstehen. Nur dann können Unterstützungsangebote so gestaltet werden, dass sie bei den betroffenen Menschen tatsächlich ankommen.“
Steigender Beratungsbedarf
Wie konkret das Problem ist, zeigt sich in den Sozialberatungsstellen der Caritas Burgenland: Aktuell können 420 Personen ihre Energiekosten nicht begleichen. Das sind 41 Prozent aller Klient:innen und die Heizsaison hat noch nicht begonnen. Besonders häufig betroffen sind Alleinerziehende, Pensionist:innen und Mehrkindfamilien. Die Entwicklung zeigt seit Jahren nach oben.
Petra Frank, Sozialberaterin der Caritas Burgenland:
„Hohe Energiekosten sind für viele Menschen längst keine vorübergehende Belastung mehr. In der Beratung erleben wir täglich, was Energiearmut konkret bedeutet: Wie warm kann ich meine Wohnung halten? Welche Rechnung bezahle ich zuerst? Besonders alarmierend ist, dass bereits jetzt 41 Prozent unserer Klient:innen ihre Energiekosten nicht begleichen können – noch bevor die Heizsaison begonnen hat.“
Vom Hinschauen zum Mitmachen
Die Ausstellung „Energiearmut hat viele Gesichter“ ist bis 6. Oktober im 2. Stock der Hochschule Burgenland zu sehen.
Am 10. Oktober wird sie beim 2. Wärmewende-Festival im Bio-Landgut Esterházy in Donnerskirchen präsentiert.
Am Freitag, 9. Oktober, richtet sich der Fachtag an Gemeinden, Fachleute und Interessierte. Am Samstag, 10. Oktober, ist die ganze Familie eingeladen: Informationen und Beratung rund um Sanierung, Heizungstausch und die Wärmeversorgung der Zukunft, Führungen in Kooperation mit der Burgenland Energie sowie ein abwechslungsreiches Kinderprogramm machen Wärmewende für Jung und Alt erlebbar.
Weitere Informationen:
Projektleitung: DIin Marion Schönfeldinger, Forschung Burgenland
E-Mail: marion.schoenfeldinger@hochschule-burgenland.at
Pressekontakt:
Petra SIMON, MAS, E-Mail: ps@petrasimon.at, Phone: +43 664 5175033



